Vernetzung

Mit unseren Anlässen bringen wir Menschen mit verschiedensten Anliegen zusammen. Das setzt Kräfte frei, auch über Quartiergrenzen hinweg.

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Ermitteln und vernetzen
Ermitteln und vernetzen

Im Punto d'Incontro: Lädelimord

Bericht über eine Veranstaltung des Forums 5im5i im Punto d’Incontro zum Thema Lädelimord in den
Kreisen 4+5:
Im legendären Migrant*innen Treff «Punto d'Incontro» trifft sich ein bunter Haufen von
Theatermacher*innen, ein Architekt, ein Szenograf, eine Strickerin, die Besitzerin eines Modeateliers,
ein Verkäufer von nachhaltig produzierter Bekleidung, ein Computerfachmann, ein Team von
Stadtforschenden, ein Prozessbegleiter und Projektberater, eine Schulsozialarbeiterin, ein Optiker mit
Geschäft in der Europaallee, ein Vertreter der PWG und ein Ethnologe und Kulturschaffender. 5im5i
zeigt ein 15-minütiges Videointerview mit Martin Haar-M., Perückenmacher und Maskenbildner mit
eigenem Geschäft an der Langstrasse: http://bit.ly/1Tb3OJE
Martin erzählt von seiner Kündigung, von seinem Berufsalltag und seiner Angst, dass es ihm am
neuen Ort in der Überbauung Kronenwiese möglicherweise an der für ihn so wichtigen Laufkundschaft
fehlen wird. Mit weiteren Beispielen aus seiner Nachbarschaft rund um die Langstrasse beweist
Martin, dass die Vertreibung von kleinen Läden aus dem Quartier real geworden ist: Die Mieten
steigen rasant.
Anschliessend wird nach Lösungen gesucht:

  • Was tun? Sich besser vernetzen, eine Interessengemeinschaft bilden.
  • Die Utopie von der “kleinen Stadt” nicht aus den Augen verlieren. Eine Stadt, wo man sich kennt,
    einander aushilft und sich gegenseitig inspiriert.
  • Sich durch die negativen Auswirkungen der Gentrifizierung nicht demoralisieren lassen.
  • Zeigen, dass es auch positive Beispiele gibt, wie Liegenschaften der Spekulation entzogen werden
    können. So gelang es dem Sogar-Theater die gemeinnützige Dr. Stephan à Porta-Stiftung zu
    überzeugen, ihre Liegenschaft in einem Hinterhof an der Josefstrasse zu kaufen.
  • Auch der anwesende Vertreter der PWG zeigt auf einer mitgebrachten Karte, dass im vorderen Kreis
    5 schon einige Käufe getätigt werden konnten.
  • Die Geschichte der Kreise 4 und 5 dokumentieren und nicht vergessen wie wichtig der ständige
    Zustrom von Leuten aus dem Süden Europas und heute aus aller Welt für die lebendige Entwicklung
    dieser innerstädtischen Quartiere von Zürich war und weiterhin ist.

Dank an das Team vom Punto d'Incontro für Gastfreundschaft und Bewirtung. Die Tagliatelle mit
Pilzen schmeckten ausgezeichnet. Diskussion und Vernetzung gehen weiter.

Warum sind kleine Läden wichtig für lebendige Quartiere in Zürich?

Strukturwandel im innerstädtischen Zürich

Die Filialisierung (mehr kleine Coops und Migros) und die Internationalisierung nehmen immer mehr
zu. Die Verkaufsfläche pro Geschäft wird grösser, es gibt jedoch weniger Verkaufsstellen und weniger
Beschäftigte. Kleinläden gelten als die Verlierer des Strukturwandels.

Beispiele aus dem Kreis 5 in Zürich:

An der vorderen Josefstrasse muss ein türkischer Lebensmittel-Laden einem Coop weichen. Und an
der Langstrasse muss der Theatercoiffeur und Perückenmacher Martin Haar-M. seinen Laden und
seine Wohnung räumen. Was nachher hinein kommt ist unklar.

Wie steuern?

Über die tragende Funktion der innerstädtischen Quartiere von Zürich besteht ein breiter politischer
und fachlicher Konsens: Läden in Quartieren sind wichtig und zentrale Versorgungsbereiche müssen
geschützt werden. Wie kann dies erreicht werden? Welche Steuerungsmöglichkeiten gibt es?
Ziel ist es, die Nutzungsvielfalt, die stadtbaukulturelle Substanz, die städtebauliche Funktionsfähigkeit,
die soziale Vitalität des innerstädtischen Zürich - und natürlich auch des vorderen Kreis 5 - zu erhalten
und weiterzuentwickeln.
Die Raumplanung sollte deshalb die Siedlungsdichten erhöhen, attraktive Zentren als
Konzentrationspunkte für Wohnen, Detailhandel und Kleingewerbe ermöglichen und gleichzeitig
Räume für Bildung, Kultur und soziale und gesundheitliche Versorgungseinrichtungen sichern.

Läden und Kleingewerbe beleben die Quartiere

Für die meisten Menschen sind Einkauf und Kommunikation sehr eng miteinander verbunden. Beim
täglichen oder wöchentlichen Einkauf geht es auch um den Austausch von Nachrichten und
Meinungen, wichtigen und weniger wichtigen Neuigkeiten aller Art.
Bei den Läden im Quartier geht es nicht nur um Leistungen gegen Geld, sie vermitteln auch
menschliche Begegnungen. Schliesst ein Geschäft, so geht nicht nur eine Versorgungseinheit
verloren, sondern auch ein Ort der Begegnung in unserer eher kommunikationsarmen Gesellschaft.

Nutzungsvielfalt als Gebot der Stunde

Eine nachhaltige soziale und ökonomische Lebendigkeit ist nur durch Nutzungsmischung und
Nutzungsvielfalt zu erreichen. Handel, Handwerk, Dienstleistungen, Gewerbe, Kultur etc. sichern die
Attraktivität unserer innerstädtischen Quartiere. Sie garantieren eine hohe Besucherfrequenz zu allen
Tageszeiten und die Präsenz von Menschen unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft sowie
verschiedener Generationen. Die häufigere Anwesenheit von Menschen auf der Strasse hat positive
Auswirkungen auf den sozialen Zusammenhalt in der Öffentlichkeit und im öffentlichen Raum.

Versorgungsgerechtigkeit

Nicht alle Bevölkerungsgruppen sind so mobil, dass sie für den täglichen Bedarf grössere Distanzen
zurücklegen können. Eine ausreichende Nahversorgung ist besonders wichtig für weniger mobile
Bevölkerungsgruppen: ältere Menschen, Haushalte mit Kindern und Haushalte ohne Auto.

Für Ältere, Alleinerziehende, Jugendliche, Menschen mit Behinderungen und Familien mit geringem
Einkommen sind wohnungsnahe Einkaufsmöglichkeiten besonders notwendig.
Bemerkenswert ist die grosse Einkaufshäufigkeit unter alten Menschen. Menschen über 75 Jahre
kaufen häufiger als junge Menschen ein und gehen dabei wesentlich häufiger zu Fuß. Die Gründe
sind nicht nur fehlende Autos, sondern auch nachbarschaftliche soziale Netzwerke,
Gesundheitsvorsorge und Alltagsorganisation. Alte Menschen sind damit von der Erosion
nahräumlicher Angebote in ihrem Quartier besonders stark betroffen.

 

 

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